Honorarvereinbarungen: Wahrheit und Irrtum

Honorarvereinbarungen: Wahrheit und Irrtum

Honorarvereinbarungen gelten abseits der großen Steuerberatungsgesellschaften oft als dem Mandanten nicht vermittelbare, hochkomplexe Monster mit unerfüllbarem Formzwang – zu Unrecht. Wir räumen mit den drei größten Irrtümern auf und zeigen , warum vereinbarte Honorare auch für den Madanten sinnvoll sind.

 

 

Die drei größten Irrtümer der Honorarvereinbarung und die StBVV im Fakten-Check

Honorarvereinbarungen im Bereich der Steuerberatung stellen eine für den Mandanten verständlich und transparente Preisbildung dar. Dennoch dominiert nach wie vor die Abrechnung nach der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) den Markt. Warum ist das so?

Honorarvereinbarungen gelten als dem Mandanten nicht vermittelbar, die Formalien als nicht erfüllbar und es hält sich hartnäckig das Gerücht, bei einem Fehler wäre die ganze Arbeit für den Mandanten umsonst. Wir glauben, das alles stimmt nicht.

 

  1. Irrtum 1: Unerfüllbare Formvorschriften

Die Abrechnung nach der StBVV hat einen Vorteil: Sie ist Gesetz und man kann sich sehr bequem hinter dem Gesetz verstecken, wenn die Gebührenhöhe einmal in der Kritik steht. Der Nachteil liegt allerdings in der Gebührenhöhe selbst begründet, die oft aus Sicht des Steuerberaters als Dienstleister nicht auskömmlich ist. Um den Mandanten vor „überhöhten“ Gebühren zu schützen, hat der Gesetzgeber bestimmt, dass gewisse Formvorschriften eingehalten werden müssen, wenn von der StBVV abgewichen werden soll. Es ist aber ein Irrglaube, dass die Formvorschriften besonders hohe Anforderungen aufstellen würden, die kaum zu erfüllen sind.

Die Wahrheit ist: Alle Formalien sind in einer einzigen zentralen Norm geregelt, nämlich in § 4 StBVV:

  • Seit der letzten Reform 2017 muss die Vereinbarung nicht mehr schriftlich geschlossen werden, es reicht sogar die Textform aus (z.B. eine vom Mandanten bestätigte e-mail).
  • Die Honorarvereinbarung muss als solche oder „ähnlich“ bezeichnet und von anderen Vereinbarungen, insbesondere der Vollmacht getrennt sein, wobei sogar eine Vereinbarung zusammen mit dem Auftrag wirksam ist.
  • Sie müssen den Mandanten (mindestens) in Textform darüber informieren, dass eine höhere oder niedrigere Vergütung in Textform vereinbart werden kann.

 

Wahrheitsgehalt: Die komplizierteste Formvorschrift besagt, für den Honorarteil ein eigenes Blatt zu verwenden. Das ist machbar.

 

 Irrtum 2: Kompliziert und Gefährlich

Es hält sich weiter hartnäckig das Gerücht, die Regelungen zur Ausgestaltung seien so kompliziert, dass eine Honorarvereinbarung kaum wirksam vereinbart werden kann. Die Wahrheit ist:            Wenn Sie sich an wenige, absolut nachvollziehbare Regeln halten, stehen die Chancen sehr gut, dass Ihre Honorarvereinbarung einer gerichtlichen Überprüfung standhält. Die meisten Vorgaben der Rechtsprechung werden Sie ohnehin intuitiv richtig umsetzen:

 

  • Die Gebührenregelung muss eindeutig sein (z.B.: Stundesatz 150,- EUR statt „150,- – 180,- EUR“)
  • Der Gegenstand muss eindeutig sein (wobei „alle künftigen Aufträge“ bereits ausreicht)
  • Bei Abweichungen von der StBVV nach oben muss hierauf hingewiesen werden.

 

Daneben gibt es natürlich noch weitere, empfehlenswerte Inhalte, z.B.  Zeittaktklauseln, die Regelung der Auslagen und die Klarstellung, ob Brutto- oder Nettopreise vereinbart werden. Dies alles sind aber Dinge, die bei Fehlern Ihre Vereinbarung insgesamt nicht zu Fall bringen und Hexenwerk sind solche Regelungen auch nicht. Darüber hinaus zwingt Sie niemand, in Ihrer Honorarvereinbarung wirklich alles unabhängig von der StBVV zu regeln. Denkbar – und in der Praxis sehr erfolgreich – sind z.B. Regelungen, nach denen die StBVV nur modifiziert wird, etwa was den Stundensatz, die Fahrtkostensätze oder Reisezeiten angeht. Der Fantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

Im allerschlimmsten Fall, also wenn Ihre Honorarvereinbarung unwirksam ist, gehen Sie auch nicht leer aus. Es gilt dann die Vergütung nach der StBVV. Das mag dann im Einzelfall natürlich nicht das gewünschte Ergebnis sein, als „Sicherheitsnetz“ taugt die StBVV aber auch im Jahr 2019 noch.

 

Wahrheitsgehalt:  Die Grundregeln sind einfacher als man denkt. Je mehr man regelt, desto eher kann man etwas falsch machen und sollte ggf. fachlichen Rat einholen. Kleine Modifikationen der StBVV reichen aber meist schon aus, um das gewünschte Honorarergebnis zu erreichen. Selbst im „Worst-Case-Szenario“ kann man aber noch auf die StBVV zurückgreifen – das sollte Mut machen.

 

 

  1. Irrtum 3: Unvermittelbar

Der größte aller Irrtümer hält sich beständig:die Mandanten wollten eine Honorarvereinbarung nicht und würden das Mandat beenden.

Die Praxis lehrt: Das ist schlicht und einfach falsch.

Wenn man dem Mandanten nicht gerade 30-Seitige Knebelverträge vorlegt, sind die meisten Mandanten sogar dankbar und nehmen eine solche Vereinbarung begeistert an. Die Erklärung dafür ist denkbar einfach:

 

  • Mandanten stehen auf Honorartransparenz
  • Mandanten stehen auf Honorarsicherheit

Sicher haben Sie Ihren Mandanten hunderte Male die Abrechnung nach der StBVV erklärt. Wie oft haben die Mandanten die Berechnung nach Gegenstandswert in Kombination mit der Gebührenbemessung der Zehntel-Sätze verstanden? Der Mandant will verstehen, warum er die Summe X zahlen soll. Das liegt in der Natur des Menschen. Die StBVV kann der Mandant nicht nachvollziehen, eine Honorarvereinbarung jedoch schon. Ebenso wollen Mandanten (im Idealfall) vorher wissen, was Sie „der Spaß“ kosten wird – bei Anwendung der StBVV fast immer ein Ding der Unmöglichkeit. Gerade bei gewerblichen Mandanten werden Sie mit einem gut kalkulierbaren Honorar – am besten mit Pauschalen – immer offene Türen einrennen. Stichwort: Liquiditätsplanung.

Für diese Gewissheit sind die Mandanten in aller Regel auch bereit, ein wenig mehr zu bezahlen. Die Mandanten wollen nicht den billigsten Steuerberater, sondern den besten.

 

Wahrheitsgehalt: Wenn Sie Ihren Mandanten die beiderseitigen Vorteile darlegen, werden Ihre Mandanten eine Honorarvereinbarung dankend abnehmen. Wenn Ihre Leistung stimmt, ist selbst eine Honorarerhöhung kein Kündigungsgrund. Das wurde uns in etlichen Fällen praktisch bestätigt – Gegenbeispiele liegen im homöopathischen Bereich.

 

Fazit: Honorarvereinbarungen bieten Vorteile für alle Beteiligten. Lassen Sie alte Irrtümer fallen und probieren Sie den für Ihre Kanzlei passenden Abrechnungsmodus aus. Sie haben wenig zu befürchten und viel zu gewinnen.

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